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Bericht über die Prüf- und Einstellfahrten 2004 in Kastellaun
von Christoph Lagemann

Hallo Italienerfahrer!

Sicher habt Ihr schon im Veranstaltungskalender der Motalia von den "Prüf– und Einstellfahrten" bei Kastellaun im Hunsrück gelesen, oder Ihr kennt jemanden, der dort schon einmal mitgemacht hat. In Gesprächen mit anderen Fahrern italienischer Motorräder konnte ich feststellen, dass nur wenige wissen, um was es dabei geht. Mit diesem Bericht über die Arbeit der Initiatoren, die Teilnehmer, deren Motorräder und die Strecke versuche ich einen Einblick über diese gut organisierten Veranstaltungen zu geben. Erscheinen sollen meine Schilderungen in Motalia, und den Internetseiten der Interessengemeinschaften www.ducati-tt.de und www.ducati-pantah.de.

Was sind die Prüf- und Einstellfahrten?
Die "Twin-Test GbR" von Peter Daum und seinen zahlreichen Helfern möchte besonders Freunden italienischer Motorrädern und auch Klassikern die Möglichkeit bieten, diese auf einer Strecke ohne Straßenverkehrsordnung, Gegenverkehr, Geschwindigkeitsbeschränkung und übertriebener  Lärmbeschränkung abzustimmen, und die eigene Fahrtechnik zu verbessern.
Es gibt reichlich Fahrzeit durch die relativ kleine Anzahl an Teilnehmern, und für viele liegt die Eifel in akzeptabler Reichweite.

Auszug aus dem Anmeldeschreiben:
"Die Veranstaltung dient zur Verbesserung der Fahrzeugbeherrschung, die Erzielung von Höchstgeschwindigkeiten ist hier nicht notwendig." In der Ausschreibung/Nennung wird dem Teilnehmer in der Haftungsausschlusserklärung ausführlich darauf hingewiesen, dass er auf eigene Gefahr teilnimmt, und er durch seine Unterschrift den Veranstalter/Streckenbetreiber von allen etwaigen Schadensersatzansprüchen freistellt. Dieses ist notwendig und üblich, ansonsten würde kein freiheitsliebender Mensch eine solche Sache organisieren! Weiterhin sollte das Geräuschniveau des Fahrzeugs einer offenen Conti Auspuffanlage nicht überschritten werden.

Von Bitburg nach K-laun
Als Langjähriger Teilnehmer bei den Prüf- und Einstellfahrten, war es für mich Ziel, auch in diesem Jahr wieder dabei zu sein! So geht es auch etlichen anderen, denn die Zahl der "Wiederholungstäter" ist groß. Die erste Fahrt fand 1999 für die Mitglieder des Ducati Club Cavallo e.V. auf einem riesigen Flugplatzgelände bei Bittburg statt. Im dem darauffolgenden Jahr wurde in der Motalia annonciert. Das war für die Alazzurra 650 und mich genau das richtige! Die Strecke war - meiner Meinung nach- etwas sicherer, aber nicht so interessant. Dafür gab es die Möglichkeit zu zelten oder mit einigen Mitstreitern und ihren Motorrädern in einer ehemaligen Flugzeughalle zu übernachten. Es hat mir sehr gut gefallen, morgens aufzuwachen und bis zum Aufstehen in unmittelbarer Nähe zu einer gut gemachten Bimota die schönen Detaillösungen zu studieren. Aus Gründen, die mir nicht näher bekannt sind, war es der "Twin- Test GbR" nicht mehr möglich die Strecke zu mieten, so dass eine Alternative gesucht wurde. In der Nähe zu Kastellaun, an der B327, der Hunsrückhöhenstraße in der Eifel wurde man fündig.

Das Gelände
Es handelt sich um ein ehemaliges Militärgelände der Amerikaner. Das gesamte Areal ist durch hohe Zäune weiträumig abgeschirmt. Die Zufahrt erfolgt über eine schmale Strasse und sobald die Schranken und Tore ab sieben Uhr offen sind, kann auf den asphaltierten Platz gefahren werden, der den Teilnehmern zum Parken der Autos und den Motorrädern dient.
Rechts steht ein anscheinend neuerdings bewohntes Gebäude. An den Seiten des Parkplatzes befinden sich kurz gehaltene Wiesen die auch zum Ausruhen von den Strapazen genutzt werden können. Geteilt durch die Strecke, beginnt der andere Teil des Platzes. Dort steht ein weiteres Gebäude, dass als Versammlungsraum oder Schulungsraum genutzt werden konnte, und mit vielen Tischen und Stühlen ausgestattet war. Hier gab es auch Kaffee, Kuchen und Mittagessen. Direkt am Eingang befinden sich die Toiletten. Duschen gibt es nicht. Auf der Fläche vor diesem Gebäude fanden Einschreibung, die Abnahme der Motorräder und die Fahrerbesprechung statt.

Die Teilnehmer und ihre Maschinen
In den vergangenen Jahren haben sich Freundschaften zwischen den Fahrerinnen und Fahrern und zum gesamten Team entwickelt, es macht Freude sich wiederzusehen, "Benzin zu reden und Reifengummi zu verteilen"! Die gegenseitige Hilfe bei Schwierigkeiten ist selbstverständlich geworden! Wir werden im Nennungsschreiben von Peter und Tini auch passend mit "Hallo Bitburg Veteranen!" begrüßt!
Angerollt wurden von klassischen "Hubraumzwergen" wie Aermacchi, Ducati Morini, bis zu modernen Ducati, Moto Guzzi, Buell, BMW, Aprilia, Suzuki usw. Es war bisher fast alles vertreten, was einen Freund italienischer und klassischer Motorräder interessiert! Etwa zehn Prozent der Nennungen waren die von Peter so genannten "Quoten- Japaner" diese sorgten meiner Meinung nach für Abwechslung, und störten mich nicht, wenn deren Fahrer sich auf der Strecke rücksichtsvoll verhielten! Sollten sich nicht genug Eigentümer klassischer Maschinen anmelden, dann werden die freien Plätze an Fahrer von neueren Japanischen Motorrädern vergeben.

Der Zeitliche Ablauf
7:00-9:00Uhr: Ankunft, Abladen, ,Einschreibung, technische Abnahme
9:00-9:15Uhr: Fahrerbesprechung
9:15-12:00 Fahren in 20 Minuten langen "Turns" jede Gruppe abwechselnd
12:00-13:00 Pause
13:00-17:00 Fahren wie morgens
17:00 Ende der Veranstaltung

Ankunft auf dem Gelände
Nach dem Auto und Anhänger geparkt wurden, begrüßte ich erst mal "das Team" und die anderen Bekannten! Es folgten die Meldung bzw. Einschreibung bei Tini, dass man da war, denn bei 60 Teilnehmern konnte sonst keiner mehr sagen, wer erschien und wer nicht.

Bevor es losging
Bald war es auch schon Zeit die Motorräder zur technischen Kontrolle zu schieben.
Bei dieser Begutachtung der Motorräder wurde geprüft, ob die grundlegenden Dinge wie Bremsen, Reifen etc. zumindest für den Einsatz auf der Strecke in Ordnung waren und ob der Motor kein Öl verlor. Slicks durften montiert sein und auf Schraubensicherung mit Draht konnte verzichtet werden, auch wenn einige der Teilnehmer dieses von anderen Veranstaltungen schon an ihren 'Mopeds' hatten oder im eigenen Interesse für sinnvoll hielten. Scheinwerfer, Rücklicht, Blinker, Spiegel, sofern vorhanden, mussten mit Klebeband überklebt werden, damit bei einem Sturz die umherfliegenden Splitter niemanden verletzen. Ich fand diese Kontrolle gut, jeder kann beim Schrauben mal Fehler machen oder etwas übersehen! Sie dienten der Sicherheit aller Teilnehmer. Nach der Prüfung des Motorrades konnte man sich einer der beiden Gruppen zuteilen lassen. Kriterien waren die Leistung der Maschine oder die eigene Einstufung in Bezug auf die Erfahrung auf abgesperrten Kursen. Wünsche wurden berücksichtigt, sofern die Gruppengröße dies zuließ. Ein späterer Wechsel in die andere Gruppe war meistens möglich, wenn sich der Teilnehmer in der anfangs gewählten unwohl fühlte. Bedingt durch den Streckencharakter waren die Geschwindigkeits-Unterschiede der Gruppen nicht so groß wie auf schnelleren Kursen. Sie wurden im weiteren Verlauf des Tages immer geringer, weil auch die neu dazugekommenen die Strecke kennen lernen.
Die Kennzeichnung der Gruppen erfolgte durch kleine, farbige Aufkleber vorne am Motorrad.
Gelb=1.Gruppe ( 'langsamer' )
Grün=2.Gruppe ( 'schneller' )

Fahrerbesprechung
Nachdem die Gruppeneinteilung und Abnahme erledigt waren, wurde sich gegen neun Uhr zur
Fahrerbesprechung getroffen. Der Begriff ist etwas irreführend, denn normalerweise spricht hier nur einer, nämlich der "Veranstalter"! Anschließend konnten dann Fragen gestellt werden. Peters Freundin Tini machte seit der ersten Veranstaltung die schöne Begrüßungsrede, und die guten Erklärungen zur Strecke, zum Verhalten während der Fahrt, beim Ein- und Ausfahren, erläutert die Flaggensignale, und gab Auskünfte zu Mittagspause und zum Tagesverlauf.
Hier –sinngemäß- einige der Aussagen die den Charakter der Veranstaltung wiederspiegeln:
- Es gibt nichts zu gewinnen!
- Rücksichtsvolles Verhalten ist "oberstes Gebot"!
- Wir sind zum Spaß am Fahren auf einer abgesperrten Strecke da!
- Jeder muss dem anderen so viel Platz lassen, den er zu seiner Fahrt braucht!
- Handzeichen durch Anheben des Armes geben, um nachfolgende Fahrer zu warnen bei einem Defekt am Motorrad einem Sturz, und Abbruch durch rote Flagge !
- Richtungszeichen geben, wenn man die Strecke verlassen möchte, dabei nicht die Strecke kreuzen, sondern früh genug unter Beachtung des rückwärtigen Verkehrs vorher schon einordnen!
- Abruptes Bremsen ohne Grund vermeiden!
- Überquerungsverbot der Strecke während die Fahrer unterwegs sind, in Ausnahmefällen auf die Anweisungen des Streckenpostens warten!
- Flaggensignale und deren Bedeutungen.
- Verbote die Steilwand und die gesperrten Streckenabschnitte zu befahren!
- Die Randbefestigungen in einigen Streckenteilen sollen Messeinrichtungen enthalten und durften darum nicht betreten werden!
- Bei wiederholten Verstößen gegen die Regeln Ausschluss von der Veranstaltung!

Die Strecke
Nach den ersten Runden auf dem Gelände, dass auch von der Automobilindustrie zu Testfahrten mit Prototypen genutzt wird, weil es hermetisch abgeschirmt ist, wusste ich, dass der 'Umzug' von Bitburg nach Kastellaun keinen Verlust darstellte! Gefahren wurde links herum.
Nun mein Versuch die Strecke zu beschreiben:
Zwischen dem Parkplatz und dem Versammlungsraum verläuft die an der Stelle etwa 6 m breite Piste. Hier ist auch der Startpunkt. Direkt dahinter verzweigt sie sich, der rechte Abzweig wurde durch etwa 1m hohe variable Kunststoffsegmente versperrt, die abwechselnd rot und weiß eingefärbt sind. Der links abzweigende Teil ist der Anfang, einer langen Linkskurve die nähere Betrachtung verdient:
Die Breite der Kurve nimmt stetig zu, der rechte Rand dieser Kurve ist als immer steiler ansteigende Wand geformt. Dieser Bereich war für uns tabu, weil die Gefahr groß war, oben über den Rand zu kommen, und im hohen Bogen in die 'Botanik' zu fliegen! Aus diesem Grund standen am Eingang der Steilwand auch Kunststoffklötze. Nun zum linken, Teil der Linkskurve. Er fängt normal an, aber neigt sich im weiteren Verlauf immer weiter nach rechts! Also eine Neigung zu "falschen" Seite! Nach ca. drei viertel der Kurve befindet sich eine Stelle, wo diese Neigung auf wenigen Metern in die Horizontale zurückgeführt wird. An der Stelle ist die Kurve schätzungsweise doppelt so breit wie am Anfang. Zwischen der Neigung und der Steilwand gibt es einen Bereich der normal durchfahren werden kann. Der Ausgang dieser Kurve ist der Anfang der ersten Geraden. Die Länge kann ich nur schlecht einschätzen, aber es werden etwa 300 Meter sein, die Strecke ist hier immer noch sehr breit. Am Ende der Geraden geht es etwa 180 Grad. Links herum. Im Verlauf dieses Bogens wird der Radius kleiner, und die Breite nimmt stark ab. Die schmalste Stelle des Kurses bildet die Auffahrt zu einem Hügel, immer noch als leichte Linkskurve, nur noch etwa 4m breit, und recht steil! Oben auf der Kuppe wird die Linkskurve ohne Gerade zur leichten Rechtskurve während es wieder abwärts geht. Unten beginnt die zweite Gerade, die Breite nimmt auf etwa 7m zu. An der rechten Seite befinden sich ehemalige Bunker, auf einer Länge von etwa 200m. Die einzige richtige Rechtskurve vom Kurs war der " Kreisel" - wie bei einem Kreisverkehr - von etwa 20 Metern Durchmesser, von dem etwa drei viertel, abgetrennt durch Pylonen durchfahren wurden. Der Ausgang vom Kreisel steigt ganz leicht an, und bildet einen Rechtsknick. Wieder geht es geradeaus für etwa 300m. Am Ende der Geraden ging es fast 180 Grad im spitzen Winkel links herum. Diese Stelle bildete den langsamsten Teil.
Auf dem Weg zurück zum Anfangspunkt machte die Strecke einen Links - Rechtsbogen, auf einer Länge von etwa 500m. Um nicht mit zu hoher Geschwindigkeit in unseren Anfangs und Endpunkt zu fahren, wurden Pylonen am Ende der Geraden zu einer Schikane aufgestellt. In der Pause gab es Mittagessen im Schulungsraum, der Preis war im Nenngeld für Fahrer enthalten, lediglich für weitere Begleiter waren dafür 7 Euro zu zahlen. Gegen Ende der Pause gab es die Möglichkeit für Begleiter oder Besucher die Strecke ein paar mal zu umrunden, sogenannte "Schnupperrunden". Ebenso konnte Passagieren auf dem Sozius einmal gezeigt werden wo die aktiven den ganzen Tag rumtoben!

Der Nachmittag
Nach der Pause und den Schnupperfahrten wurde weiter gefahren. Wieder einmal spielte das Wetter sehr gut mit, denn auch dieses Mal blieb es trocken. Erfahrungsgemäß wird es in den letzten Stunden deutlich ruhiger, denn die meisten sind wegen der Anstrengungen nicht mehr alle 20 Minuten unterwegs. Dies ist die richtige Zeit um möglichst konstante Runden ohne die letzten Reserven zu fahren.

Thema Sicherheit
Zur Sicherheit der Strecke wird es unterschiedliche Auffassungen geben. Die gefahrenen Geschwindigkeiten waren nicht vergleichbar mit denen auf anderen Rennstrecken. sondern, liegen deutlich darunter. Wer teil nimmt sollte sich aber darüber im klaren sein, dass es keine weiten Sturzräume, Auslaufzonen, Kiesbetten gibt! Da es sich um ein Testgelände für Autos handelt, können die optimalen Sicherheitsanforderungen an Motorradfahrer nicht erfüllt werden! Auch wenn es schwer ist - wie ich nun aus eigener Erfahrung weiss- besser nicht bis an's Limit gehen!

Schlussbetrachtung
Dem Team der "Twin Test GbR" war es wieder mal gelungen, eine gut  organisierte Veranstaltung zu präsentieren! Nicht nur den Fans der Prüf- und Einstellfahrten, sondern auch Fahrern die das erste mal dabei waren, fiel die gute Arbeit aller Beteiligten auf. Insbesondere das Verhalten der Streckenposten, wurde ausdrücklich gelobt! Bei Stürzen oder anderen gefährlichen Situationen wie losen Teilen am Motorrad etc. erfolgte ein herauswinken des Fahrers oder der sofortiger Abbruch mit den roten Flaggen rund um den Kurs! Leider hatten auch die anwesenden Sanitäter wieder Einsätze. Vielleicht schaffen wir – also die Fahrer - es, mal einen Tag auf dem Gelände ohne Sturz zu beenden? Dieses Jahr habe auch ich die 'Statistik' negativ beeinflusst! Der oft wechselnde Belag, die Bodenwellen, der Hügel (von einigen nach dem Hügel von Laguna Seca "Corkscrew" genannt) der Kreisel, die Spitzkehre, tragen dazu bei, hier etwas völlig neues befahren zu können! Die nicht einfach zu meisternden Sektionen machen den besonderen Reiz aus! Außerdem ist die Sache optimal für Leute die etwas an ihren Motorrädern ausprobieren möchten, und dieses im Straßenverkehr nicht können, - sei es mangels Zulassung oder weil die Bedingungen im öffentlichen Straßenverkehr es nicht ermöglichen. Die schönen Abende mit einigen Teilnehmern auf dem Zeltplatz vor und nach den Einstellfahrten machten ein rundum gelungenes Wochenende perfekt. Eventuell konnte ich ja mit diesem Bericht die eine oder den anderen auf die Prüf- und Einstellfahrten Neugierig machen?

Meinen Dank
An alle die an den Prüf- und Einstellfahrten mitwirken!
- Den Sanitätern die im falle eines Falles vor Ort sind!
- An die Fahrer die durch  umsichtiges Verhalten zeigen, dass wir mittlerweile eine Gemeinschaft sind, und wir trotzdem schöne "Duelle" haben können!
- Dem Streckenbetreiber für die Möglichkeit so viel Spaß zu haben!

Mein besonderer Dank
Gilt meinen guten Freunden, die vor ,während, und besonders nach der Fahrt für mich da waren!

Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Christoph Lagemann aus Siegen

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