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2. Bericht von Mirco Schlüter
(Dezember 2003)

Hallo TT2 Freunde,

ich hoffe ihr erinnert euch an mein erstes Schreiben (1. Bericht vom Dezember 2001). Hatte von meinem TT2 Rahmen und den damit verknüpften Plänen berichtet. Nun wollte ich mal mitteilen, was daraus geworden ist.
Vielleicht wisst ihr noch, dass ich mir eine 91er 750 SS als Schlachtmotorrad gekauft hatte. Hieraus nutzte ich den Motor, die Räder, den Kettenradträger, die Gabelbrücken, die Schwinge, die Zündung, Teile der Bremse, Teile der Elektrik, den Drehzahlmesser, anfangs die Gabel und weitere Kleinteile.
Ich werde jetzt nacheinander auf Fahrwerk, Motor, Elektrik, Bremse und  Anbauteile eingehen. Zum Schluss folgt dann eine kurze Info über die ersten Fahreindrücke und ein paar technische Daten. Das alles wird natürlich nur grob angerissen, falls also Fragen entstehen, einfach mal melden.

Fahrwerk:
Die im letzten Schreiben angesprochenen Probleme mit Gabel und Radversatz wurden als erstes angegangen. Mittels Distanzring setzte ich das untere Lenkkopflager auf dem Jochrohr ca. 15 mm hoch. Den Kettenradträger ließ ich 5 mm abdrehen. Nun beherbergt er nur noch ein Lager (vorher zwei), dafür wurde der Radversatz jedoch auf ca. 10 mm reduziert. Dies ist beim Fahren nicht zu spüren, zumindest nicht von mir. Die originale 750 SS Schwinge wurde mit Knotenblechen versteift, weil bei diesem Modell die Schwingen häufig rissen und sowieso zu torsionsweich sind. Das 750 SS Showa Federbein liegt im Keller. Stattdessen verbaute ich ein längeneinstellbares der Firma Öhlins. Das Showa Teil war mir deutlich zu hart und ich wollte auch gerne die Möglichkeit der Längeneinstellung haben. Anfangs dachte ich noch, dass wenigstens die SS Gabel ohne Modifikationen in der TT2 zum Einsatz kommen kann. Pustekuchen! Schon bei der ersten längeren Probefahrt, erwies sich dies als Trugschluss. Aufgrund der deutlich zu harten Feder, neigte die TT2 schon bei leichten Bodenwellen zu Lenkerschlagen. Deshalb ist nun eine solche Gabel mit weicheren Federn von White Power verbaut. Befüllt habe ich sie mit 5er Gabelöl bei Berücksichtigung einer 130 mm Luftkammer. Das funktioniert bisher prima. Auf einen Lenkungsdämpfer konnte ich bislang verzichten.

Motor:
Eigentlich lebe ich nach dem Motto „Don’t touch a running system“. Bei der TT2 habe ich aber eine kleine Ausnahme gemacht. Etwas „Kopfkosmetik“, ein paar Pfunde weniger auf den Hüften, zwei dickere Vergaser und eine offene Auspuffanlage können ja nicht wirklich schaden, oder?! Mit anderen Worten, um den Motor etwas lebendiger zu machen, habe ich eine leichte Aluschwungmasse verbaut und einem Freund die Zylinderköpfe in die Hand gedrückt. Er hat die Kanäle etwas geweitet und strömungsoptimiert. Zudem wurden die Ventile mit einem anderen Gradschliff versehen, der für bessere Füllung des Brennraumes im mittleren Drehzahlbereich sorgen soll. Zur Gemischaufbereitung verwende ich 41er Dell'Orto Vergaser mit kurzen tulpenförmigen Ansaugtrichtern, offen natürlich! Auslassseitig baute ich mit einem Freund eine Auspuffanlage mit dickeren Krümmern. Die Auspufftöpfe (Termignoni Carbon Racing) sind nun TT2 untypisch unter dem Höcker, weil das Motorrad damit so herrlich schmal aussieht und in der Kurve kein Auspuff aufsetzen kann. Danke Ralf!
Die Abstimmung der Vergaser hat mich etliche illegale Landstrassenkilometer und ca. 500 Gramm Gehirnschmalz gekostet. Mittlerweile bin ich aber sehr zufrieden. Eine bessere Abstimmung lässt sich wohl nur mit Lambdatester und Prüfstand erreichen, aber das kann ja jeder... Leider (oder zum Glück) kann ich keine Angaben zu Leistung und Drehmoment machen. Mangels Tacho bin ich noch nicht mal in der Lage, eine ungefähre „Topspeed“ anzugeben. Rechnerisch sind es bei 9000 U/min im letzten Gang und 15/39 sekundär Übersetzung knapp 220 km/h. Das Moped springt zuverlässig an, hat im warmen Zustand so was wie Leerlauf, geht sehr spontan ans Gas, entwickelt ab 4500 U/min spürbaren Biss und dreht in allen Gängen an den roten Bereich (9000 U/min) oder darüber. Leider geht die Öltemperatur dann aber auch auf 140°-150° Grad, was mich sehr beunruhigt. Bin mir aber noch nicht eins mit meinem Hirn, wie ich dieses Problem beheben soll?! Ein Ölkühler ist schon dran und auf einen weiteren möchte ich eigentlich lieber verzichten.

Elektrik:
Den neuen Kabelbaum zu bauen, war eigentlich ein Angstkapitel für mich, weil ich davon nur wenig Ahnung habe. Den 750 SS Kabelbaum wollte ich aber auch nicht verwenden, weil viel zu schwer und zu 70% überflüssig bei einem Rennmotorrad. Glücklicherweise besuchte mich Christoph Lagemann mal in Wolfsburg. Kurzerhand wurde er ein Winterwochenende eingespannt und am Montag hatte ich einen fertigen Kabelbaum. Kleine Abschnitte wurden aus dem SS Kabelbaum genutzt, aber das Gros fertigten wir selbst an. Erst gezeichnet und dann gelötet. Hat prima geklappt und funktioniert bisher tadellos. Danke Christoph! Die SS-Batterie wurde durch einen deutlich kleineren Akku ersetzt. Wir haben jedoch den Anlasser und die Lichtmaschine im Motorrad belassen. Dies ist sicherlich bei einem Rennmotorrad inkonsequent, weil unnötiges Gewicht herumgefahren wird. Mir war es aber bisher wichtig, das Motorrad jederzeit problemlos starten zu können.

Bremse:
Statt der 750 SS Einscheibenbremse, wurden an der TT2 vorne zwei Bremsscheiben verbaut. Es handelt sich um vollschwimmende 320 mm Brembo Gussscheiben mit Alukorb. Dazu zwei Vierkolbensättel ebenfalls von Brembo, Stahlflexleitungen und eine 16er Brembo Handpumpe. Mit EBC grün Rennbremsbelägen funktioniert das meines Erachtens tadellos. Bissig im Ansprechverhalten, super dosierbar, wenig Handkraft (Einfingerbremse) und auch nach 15 Runden Rennstrecke kein Fading. Bei der Hinterradbremse wurden die originalen 750 SS Komponenten beibehalten, nur dass sich der Bremssattelträger nicht mehr an der Schwinge, sondern am Motor abstützt. Habe den Träger erleichtert, verkleinert und mit einer Buchse versehen. Dazu eine Alustange mit zwei Unibal-Gelenken sowie einen Halter der Ducati 900 Superlight für die Befestigung am Motor. Die Bremsleitung wurde durch Stahlflex ersetzt, die Beläge sind original Brembo. Die Umrüstung mit der Abstützung der Bremskräfte am Motor habe ich durchgeführt, weil ich kein stempelndes Hinterrad in der Anbremszone haben wollte, was bisher auch wunderbar hinhaut. Wohlgemerkt, die positiven Bremseigenschaften sind an meinem bescheidenen Fahrkönnen bemessen. Bessere Fahrer wären vielleicht weniger zufrieden...?!

Anbauteile (Design):
Nun kommen wir zu den Anbauteilen, die ja letztendlich für die Optik ausschlaggebend sind. Zum Einsatz kommt der typisch schlanke und flache Stecktank, den ich mir aus Aluminium besorgte. Es gibt auch welche aus GfK. Übrigens, den TT2 Tank finde ich traumhaft schön.  Dann habe ich den alten schlanken TT2 Höcker verbaut, der aber für die Underseat-Auspuffanlage anders beschnitten wurde. Die Verkleidung ist ein sehr leichter Nachbau einer Ducati 750 F1 Verkleidung, sieht aber den späteren TT2 Verkleidungen sehr ähnlich. Die Schutzbleche sind aus Kohlefaser und haben die 750 SS Optik. Verbaut wurde des weiteren eine zurückverlegte Fußrastenanlage mit am Rahmen verschraubten Aluplatten (hierfür wurde der Rahmen umgeschweißt). Als Lenker verwende ich Alustummel. Ich fürchte, das den Puristen innerhalb der TT2 IG mein Motorrad nicht so gut gefallen wird, weil es mit den modernen Komponenten natürlich technisch und optisch relativ weit von den ursprünglichen TT2 Rennern entfernt ist.

Fahrbericht:
Mit dem Motorrad wurden bisher 500 km Rennstrecke absolviert, die absolut begeisternd waren. Das Fahrwerk und die Reifen funktionieren so gut, dass sich schon nach wenigen Runden Vertrauen aufbaute. Die TT2 läuft stur geradeaus, selbst wenn man auf leichten Wellen richtig an der Leine zieht, gibt es keine Zucker im Vorderrad. Ob das mit mehr Leistung aber immer noch so ist, stelle ich mal in Frage. Kurvenfahren ist der absolute Genuss. Die TT2 lässt sich mit wenig Kraftaufwand abwinkeln, fährt präzise dahin, wo man hin will, verhält sich dabei sehr neutral und bietet aufgrund ihres relativ geringen Gewichtes eine äußerst flexible Linienwahl, die man sich mit schwereren Motorrädern nicht erlauben kann. Diese Stärke macht den besonderen Fahrspaß dieses Motorrades aus. Selbst deutlich modernere Sport-Motorräder mit sicherlich gleichwertigen Fahrern/innen kann man in der Kurve überholen. Auch auf der Bremse hat man aufgrund des geringen Gewichtes Vorteile, weil einfach weniger Masse verzögert werden muss. Apropos Gewicht: Grobe Messungen mit einer Personenwaage haben ein ungefähres Leergewicht von 145 kg ergeben. Davon lasten etwa 76.5 kg auf dem Vorderrad was eine grobe Gewichtsverteilung von 52,5% vorn und 47,5% hinten ergibt. All diese positiven Eigenschaften haben mir in meinem ersten Classic BEARS Lauf allerdings wenig genutzt. Es waren doch glatt 10 Fahrer vor mir im Ziel. Schlimmer noch ist, dass vier dieser 10 Fahrer ebenfalls auf Ducati TT unterwegs waren. Ralf Schädel, dessen TTs Vorbild für mein Motorrad waren, Rolf Wienberg, Jürgen Mades und Ottmar Egner haben sich vor mir platziert und mir gezeigt, was mit diesen Motorrädern alles möglich ist. Respekt meine Herren! Aber der Spaß war natürlich riesengroß.

Zum Abschluss noch ein paar Daten:

Fahrwerk
Lenkkopfwinkel: ca. 66 Grad
Nachlauf: ca. 100 mm
Radstand: 1385 mm
Sitzhöhe: 800 mm
Lenkerhöhe: 805 mm
Leergewicht: ca. 145 kg
Federweg vorn/hinten: 120 mm / 125 mm
Felgen vorn/hinten: 3.5x17 / 4.5x17
Reifen vorn/hinten: 20/70-17 / 160/70-17
Motor
Hubraum: 748 ccm
Ventil Ø (E/A): 41 mm / 35 mm
Verdichtung: 9,0:1
Max. Drehmoment: k.A.
Max. Leistung: k.A.

 
 
 

Bei der Lackierung habe ich mich für eine Farbkombination aus rot, weiss und mattschwarz entschieden. Viel Spaß beim Betrachten der Bilder.

 

Ciao und bis bald mal.

 

Mirco Schlüter

 

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